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Frankfurter Strassenstrich
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Seit einem Jahr sind in Hessen alle Bordelle wegen Corona geschlossen. Das legt die Annahme nahe, dass Prostitution insgesamt verboten ist. Ist sie aber nicht. Vor ziemlich genau einem Jahr hat Nadine Maletzki ihr Bordell im Frankfurter Bahnhofsviertel zugesperrt. Seitdem ist das "Sex Inn" wegen der Corona-Beschränkungen geschlossen - wie alle Bordelle in Hessen. Doch Prostituierte gebe es im Viertel wie eh und je, sagt die Bordell-Chefin.

Beschreibung

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Das Frankfurter Bahnhofsviertel Archivbild : Der Kiez rund um die Taunusstrasse gilt als Dealertreff, Anlaufstelle für Freier und Kriminalitätsbrennpunkt. Kultur und Gewerbe liegen lahm, Sexarbeit driftet in die Illegalität ab, die Drogenszene bleibt prekär. Wie geht es dem Frankfurter Bahnhofsviertel in der Corona-Krise? Ein Rundgang mit Kiezkenner Ulrich Mattner. April eine Regionalzeitung. Mattner nickt wissend.

Auf dem straßenstrich in frankfurt ist das leben hart

Ebenfalls an genau dieser Ecke stehen Frauen, in jeweils ein paar Metern Abstand. Eine hat auffällig rot geschminkte Lippen, eine andere trägt ein transparentes Oberteil. Ulrich Mattner: Der Frankfurter kennt fast jede Ecke des Bahnhofsviertels.

Quelle: Ulrich Mattner. Er fragt die Frau im transparenten Oberteil, ob es hier gefährlich für sie sei.

Berichte vom strassenstrich

Sie antwortet freundlich in gebrochenem Englisch, dass es überall gefährlich für sie und ihre Kolleginnen sei. Sie arbeite in einem Hotelzimmer in der Nähe. Die Situation für die Sexarbeiterinnen im Viertel habe sich verschlechtert, stellt Mattner fest.

Denn in den Bordellen seien sie wenigstens geschützt gewesen. Die Bordelle in Frankfurt sind während der Corona-Krise geschlossen. Er zeigt auf ein Bordell und sagt: "Die Betreiber dieses Hauses lassen die Frauen während Corona hier wohnen. Die wüssten sonst nicht, wohin". Seit dem Erlass des Prostituiertenschutzgesetzes am Oktober ist es untersagt, dass Sexarbeiterinnen in den Räumen, in denen sie anschaffen, auch wohnen.

Frankfurt: sex an jeder ecke trotz corona - so gefährlich ist der straßenstrich

Da sie zurzeit nicht arbeiten dürfen, können sie in den Bordellen unterkommen. Das Konzept eines Eroscenters bestehe darin, dass die Frauen sich in Zimmer einmieten — für Euro pro Tag, erklärt Mattner. Zusätzlich dazu müssen sie, aufgrund der Gesetzesbestimmung, noch ihre privaten Unterkünfte anderswo finanzieren. Quelle: Katrin Börsch. Im Bahnhofsviertel prallen auf engstem Raum unterschiedliche Welten aufeinander. Vor Corona hetzten Banker vorbei an Obdachlosen.

Frankfurt am main: so hat die coronakrise das bahnhofsviertel verändert

Hipster schlenderten an Junkies vorbei. Das Viertel war und ist multikulturell: Arabische, asiatische und afrikanische Lebensmittelgeschäfte, die Kunden aufgrund des speziellen Sortiments von weit her anziehen, koexistieren neben deutschen Traditionsgeschäften, die Jahre und länger an Ort und Stelle bestehen.

So war es auch mit der Drogenszene und den nächtlichen Partybesuchern. Ein Insider aus der Szene erklärt, dass das ABA Hotel, in das sich viele Dealer eingemietet hatten, dicht gemacht habe. Die Zeiten der langen Partynächte im Bahnhofsviertel sind seit einem Jahr vorbei. Vor Corona zählte das Bahnhofsviertel, genauso wie Alt-Sachsenhausen, zu den Vergnügungsquartieren, die an Wochenenden überschwemmt wurden von Hedonisten. Die Pillenszene treffe sich an einem anderen Ort, nämlich am Kaisersack, direkt gegenüber des Hauptbahnhofs, erklärt Mattner.

Das Problem daran sei, dass es noch abhängiger als Heroin mache und dass letzteres nur noch in extrem hohen Dosen wirke. Die Verabreichung des Methadons sei zudem so geregelt, dass die Süchtigen keine Entzugserscheinungen bekommen, aber auch keinen Turn. Der Frankfurter Weg sei aus seiner Sicht gescheitert. Auf der anderen Seite gibt es hier eine Szene, die man vielleicht mit 30 Millionen Euro wegkriegen könnte.

Das wird aber nicht in Angriff genommen. Der Frankfurter Weg orientiert sich am Vorbild Zürich. In der schweizerischen Stadt ist Anfang der Neunzigerjahre eine Drogenpolitik eingeführt worden, die Abhängige als Patienten betrachtet. Anders als in Frankfurt wird ihnen beispielsweise Wohnraum zur Verfügung gestellt und in den Druckräumen darf gedealt werden.

Frankfurt: sex an jeder ecke trotz corona - so gefährlich ist der straßenstrich

Heroin wird teilweise in Tablettenform verabreicht. In Frankfurt werde das Konzept nicht konsequent und durchdacht genug umgesetzt, findet Mattner. Etwas weiter kauert eine Frau an einer Häuserwand. An ein Trafohäuschen in der Mitte des Platzes lehnt ein Mann.

Ihm nähert sich ein anderer. Der Mann am Häuschen läuft auf den anderen zu, zückt ein Pfefferspray und zielt drohend in seine Richtung.

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Im nächsten Moment grinst er, lässt den Arm samt Pfefferspray sinken und sagt: "War nur ein Scherz". Obdachlosen-Lager und -Zelte: Sie sind im Brennpunktviertel ebenso keine Seltenheit wie öffentlicher Drogenkonsum.

Im Eckhaus gegenüber des Karlsplatzes befindet sich das politisch linke Hausprojekt NiKa. Im Fenster hängt neben Bildern der durch das rassistische Attentat in Hanau ermordeten Menschen ein Plakat mit der Aufschrift: "Wir fordern sichere, warme Schlafplätze für alle! Schräg gegenüber befindet sich mit dem "25Hours Hotel", der Bar Shuka, der Bar Pracht und dem Karlson Club ein weiterer Hipster-Hotspot, der zurzeit verwaist ist.

Heute erinnert die mit zahlreichen Aufklebern verzierte Fassade an die gesellige Zeit vor der Pandemie. Dohn zieht an seiner Zigarette und sagt: "Seit über einem Jahr lebe ich von meinen privaten Ersparnissen, obwohl mein Geschäft offen ist. Aber die Kundschaft bleibt aus". Jürgen Dohn steht lachend vor seinem Laden: Dabei beklagt der Schuhmacher die seit einem Jahr ausbleibende Kundschaft.

Noch weniger Glück hatte das seit bestehende Schreibwarengeschäft Fleischhauer.

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Schräg gegenüber der Schuhmacherei zeugen mit Planen behangene Schaufenster vom Leerstand des Ladens. Er habe im vergangenen Jahr seine Türen für immer geschlossen, sagt Mattner. Geschäftsführer Ferdinand Hartmann hat in seiner leeren Diskothek ein Corona-Schnelltest-Center eingerichtet. Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.

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Frankfurt am main: so hat die coronakrise das bahnhofsviertel verändert

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser. Corona im Brennpunkt "Nach 23 Uhr gehe ich nicht mehr raus, weil mir das zu gefährlich ist" Von Katrin Börsch Teilen Pinnen Twittern Drucken Mailen Redaktion.

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